Einfach Gin
Gib Deinem Leben einen Gin. Oder zwei.

Eine kleine Geschichte des Gins

Was wäre die Welt ohne Kräuterhexen und Wunderheilern? Sie suchten und experimentierten, oft stand am Ende ihrer Versuche ein medizinisches Heilmittel, dessen Basis den Patienten eine gewissse Beschwingtheit bot. Schnöder Alkohol.  Beim Gin allerdings war es kein Scharlatan, sondern der Begründer der naturwissenschaftlich ausgerichteten Medizin und der Klinischen Chemie. Franz de le Boë, der seinen Namen später als Franciscus Sylvius latinisierte, praktizierte als Arzt in den Niederlanden, stammte aber ursprünglich aus dem hessischen Hanau (geb. 15. März 1634) mit flämischen Wurzeln. Er studierte in Leiden und Basel Medizin, um später in Hanau und dann in Amsterdam als Doktor zu praktizieren. In Leiden gründete er das erste chemische Labor an einer Universität und genau hier fängt die Geschichte des Gins an.

Boë war der Erste

Boë widmete seine medizinische Schaffenskraft der Verdauung und der Körperflüssigkeiten. Aus der Volksmedizin übernahm er die heilende Wirkung von Wacholder bei Verdauungsstörungen und Sodbrennen. Folglich experimentierte er mit den Beeren und verarbeitete sie zusammen mit Alkohol und anderen Kräutern zu einer Medizin. Diese medizinische Flüssigkeit verkaufte er schließlich erfolgreich als Genever. Der Name leitete sich von dem lateinischen Namen für Wacholder, nämlich Juniper, ab, die Verballhornung machte daraus Genever. Und wer schon ein bisschen von Gin mitbekommen hat, ahnt, dass die Kräuter, die Boë seinem Genever zusätzlich zum Wacholder beimischte, durchaus als Botanicals durchgehen könnten.

Siegeszug in England

Von Genever bis zum Gin war es dann nur ein kleiner sprachlicher Sprung, der wiederum den Briten zu verdanken ist. Denn Genever trat seinen Siegeszug nicht nur in den Niederlanden, sondern gleich in England mit an, weil vor allem britische Soldaten Vorräte an Genever in ihr Heimatland mitbrachten. Schon im 18. Jahrhundert, nur wenige Jahrzehnte nach Boës Tod am 14. November 1672, hatte sich der Gin, zu dem die Engländer den langen Namen Genever verkürzt hatten, über England verbreitet. Schließlich durfte jeder Gin ohne Lizenz brennen. Angeblich sollen in den 1720er Jahren die Briten schon jährlich fünf Millionen Gallonen Gin vernichtet haben.  Ein "Gin Act" führte 1736 wieder den Kauf einer Lizenz zum Brennen ein. Brenner bekamen als Mindestabgabe zwei Gallonen auferlegt. Die Idee dahinter: Weder die teure Lizenz noch den Kauf zweier Gallonen können sich viele leisten. Aber immer neue Gin-Varianten entstanden, das Trinken ging fröhlich weiter.

Die unangenehmen Folgen: Schon früh ergab sich vor allem die arbeitende Bevölkerung dem Trunk. Kaum ein Bild zeigt das eindringlicher als das berühmte Gemälde des Malers und Kupferstechers William Hogarth "Gin Lane" und seinem Counterpart "Beer Lane". Gin Lane zeigt das Londoner Armenviertel St. Giles, in der die Menschen betrunken in der Straße liegen. Hogarth war auch einer der Kämpfer für Verordnungen, um die Trunksucht einzudämmen. Und der mittlerweile pleite gegangene Reisekonzern Thomas Cook  erfand damals die Pauschalreisen aus dem Wunsch heraus, die Menschen von der Flasche wegzubringen. Links im Bild "Gin Lane" ist ein Pfandhaus zu sehen, in dem gerade ein Paar Haushaltsutensilien versetzt. Das Haus ist gut erhalten ebenso wie die Ginbrennerei – und das Haus des Bestatters. Die Symbolik ist unübersehbar: Gin führt in das Elend und in den Tod...

Nachschub in Gin Palaces

1751 erfolgte in England der sogenannte Tippling Act. Brenner durften nicht mehr an Endverbraucher verkaufen. Es erfolgte eine Marktbereinigung und die Qualität verbesserte sich. Nach Auf und Abs sorgte die Industriealisierung für den nächsten Schub. Sie brachte die Landbevölkerung als Arbeiter in die Städte. Für sie etablierten sich sogenannte Gin Palaces, in denen fröhlich dem Stoff gefrönt wurde.  Der Gin war billig, weil die Regierung die Alkoholsteuer gesenkt hatte und der Stoff floss daher in Strömen. Gleichzeitig sorgten Innovationen dafür, dass Gin effizienter produziert werden konnte. "Schuld" hatten Innovationen von Robert Stein und in seiner Nachfolge Aeneas Coffey.

Ein Ausflug in die Destillation

Was war neu daran? Klassisch destillierten die Brenner in sogenannten Pot Stills, den Kupferkesseln. Die Destillation des Alkohols erfolgte diskontinuierlich, das heißt, die Brenner packten die Maische portionsweise in die Brennblase, um den Alkohol und die Aromen zu destillieren. Stein und vor allem Coffey erfanden das kontinuierliche Destillieren, bei dem die Maische konstant in die Brennblase floss und so der Alkohol samt Aromen ohne Pause destilliert werden konnte. Daher spricht man auch von der kontinuierlichen oder der Coffey-Destillation. Der Vorgang lief natürlich erheblich schneller ab und so konnten die Brenner wesentlich mehr Alkohol und damit Gin der gleichen Zeit produzieren.

Gin meets Tonic

Der Gin war damit in England etabliert. Aber die Briten waren zugleich  eine Kolonialmacht, die weltweit vertreten waren und sie brachten die Spirituose auch in diese ferne Länder mit. Gerade in den tropischen Ländern lauerten heftige Krankheiten, die unter den Europäern wüteten und ihren Tribut forderten. Eine dieser Krankheiten war Malaria, die Schlafkrankheit, gegen die sich die britischen Soldaten mit Chinin schützten. Chinin stammt aus der Chinarinde und war ziemlich bitter. Damit die Soldaten das Chinin runterbekamen, mischten sie das Chinin in Soda und Zucker – und fertig war ein Tonic Water. Von da war es nur ein kleiner Schritt, sein Tonic Water mit Gin aufzupeppen. Was in Indien, Afrika und anderen Ländern so entstand, entdeckte die Masse sehr schnell als äußerst schmackhaften Longdrink. Seitdem ist die Kombination aus Gin und Tonic nicht mehr wegzudenken...


 
 
 
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